Gebrochene Seelen – Ausstellung im Eresinger Künstlertreff

Von Nue Ammann

Eresing Der kleine Farbdrucker neben Tobias Krug rattert, gedruckt wird ein „Zeitstempel“, oder wenn man so will, das Astro-Porträt eines Ausstellungsbesuchers. Rund zehn mal 15 Zentimeter misst das Bild und zeigt verschieden große, farbige Punkte, die wie buntes Konfetti zufällig auf dem Papier verstreut sind.

An der gegenüberliegenden Wand präsentieren sich bereits mehrere dieser ungewöhnlichen Porträts, die Tobias Krug entsprechend des Geburtsdatums und der -zeit erstellt. Hinter dieser interaktiven Spielerei steckt weit mehr als kunterbunte Konfettilaune, denn möglich wird dieser sekundenschnelle Porträtdruck mittels eines von Krug selbstgeschriebenen Computer-Programms, das „nach der Konstellation der Planeten und einer Reihe von astronomischen Parametern ein persönliches audio-visuelles Farbmuster“ generiert. Ausgangspunkt für diese Arbeit war sein Interesse am Themenkomplex Raum und Zeit, dem sich der in Eresing lebende Glas- und Multimedienkünstler Krug seit mehr als 15 Jahren widmet. „Zeit sichtbar zu machen“ ist, so Krug, eines seiner Anliegen und infolgedessen entwickelte er entsprechend des diesjährigen Mottos „Porträt“ zur Ausstellung im Eresinger Künstlertreff „vis-à-vis“ die Kunstaktion „Zeitstempel“.

Wie schon in den vergangenen Jahren sind bei dieser vierten Gemeinschaftsausstellung im Atelier VIS-À-VIS auch Werke zweier weiterer Eresinger Künstler, nämlich Alexander Ewgraf und Karl Witti zu sehen. Kuratiert von Christian Burchard, der ebenfalls nur einen Steinwurf von den drei ortsansässigen Künstlern entfernt lebt, erweist sich die Werkschau außerdem als Türöffner zu international bekannten Größen der Kunstszene; passend zum Thema „Porträt“ bereichern Arbeiten des aus Österreich stammenden Künstlers Arnulf Rainer und des Kölner Malers Leif Trenkler, der als einer der ersten Vertreter der „Neuen Figuration“ gilt, die Ausstellung. Dabei, so verrät die Einladung, geht es um eine Untersuchung des sich schnell ändernden Genres Porträt, das nicht zuletzt durch die Möglichkeiten des Multiplizierens der eigenen Identität in der virtuellen Welt und des konstanten Bemühens um Jugendlichkeit in der Realität, „als Spiegelbild der Seele brüchig geworden ist“.

Brutale Selbstverleugnung

Gebrochenen oder verstümmelten Seelen spürt der aus Irkutsk stammende Künstler Alexander Ewgraf mit einer skizzenhaften, in Grautönen gehaltenen Gemäldeserie nach, die Teil seiner interdisziplinären Kunstaktion „Seelenverkauf in der modernen Gesellschaft“ ist. Unter dem Titel „Obskurenkammer“ präsentiert er Porträts von archetypischen Charakteren, wie „der Sadist“, „der Indolente“ oder „der Illusionist“ und verweist damit auf die Konsequenzen, die seelische Grausamkeit durch Dritte oder brutale Selbstverleugnung nehmen kann.

Außerdem widmete er sich einem erstmalig im Rahmen der Veranstaltung durchgeführten Fotowettbewerb, an dem Kinder und Jugendliche aus Eresing zwischen sieben und 16 Jahren teilnahmen. Ihre Fotos von Eresinger Bürgern werden ebenfalls im Atelier VIS-À-VIS gezeigt und am Ende der Ausstellung mit einem Publikumspreis und einem jurierten Preis prämiert werden. In fünf Werken aus seinem biografischen Bildessay „Gegenwelten“ verweist der Zeichner und Theatermaler Karl Witti auf bekannte Persönlichkeiten, die ihm in Jugendtagen progressive Vorbilder gewesen sind.

Der Werkszyklus, der vor einigen Jahren im Stadtmuseum in Landsberg erstmals präsentiert wurde, umfasst insgesamt 24 Bilder und entstand zwischen 2005 und 2007.

„In Dankbarkeit“, so berichtet Alexander Ewgraf über die Entstehung der Arbeiten von Witti, „hat er jedem seiner Vorbilder eine Blume gewidmet“. So lächelt das mit einer zarten Freesie versehene Bildnis von Anne Frank aus einem der Porträts auf den Betrachter nieder und wenige Schritte weiter markiert das Konterfei von Henri Rousseau, geschmückt mit einer Amaryllis, einen weiteren Entwicklungsschritt in Wittis Leben.

Ausstellung Die vielseitige und interessante Ausstellung, die noch bis Sonntag, 10. Juli, werktags zwischen 16 und 20 Uhr, sowie am Wochenende von 11 bis 20 geöffnet ist, wird außerdem durch ein ansprechendes Rahmenprogramm bereichert: tägliche Führungen, jeweils um 17 Uhr versetzen die Besucher auf spielerische Weise in die Rolle eines Kurators, am Samstag, 9. Juli, gibt Christian Burchard um 19 Uhr eine kunsthistorische Einführung zum Thema „ Das Porträt im Wandel der Zeiten“ und am Sonntag, 10. Juli, wird einer der Ausstellungsräume zum Kino, wenn in Kooperation mit dem Filmforum von Kurt Tykwer um 11 Uhr vormittags der Film „BANSKY/exit through the gift shop“ gezeigt wird. Einen Schlussakkord setzt am selben Tag um 16 Uhr die Verleihung der Preise des Fotowettbewerbs „Dorfgesichter“.  -> Quelle

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