Reise nach Samarkand

Der Brief aus Samarkand – Bildessay in 16 Stationen
Zeichnungen von Karl Witti

Kuratiert von Christian Burchard

Taubenturm, Diessen
Eröffnung, Freitag, 14. September, 20 Uhr
Ausstellungsdauer: 3 Wochenenden: 15./16. Sept. 22./23. Sept. 29./30. Sept.
jeweils 12:00 bis 18:00

Die Grafiknovelle „Der Brief aus Samarkand“ zeigt in 16 Traumbildern die Suche nach einem vermissten Freund. In den Zeichnungen verarbeitet Karl Witti eine persönliche und zugleich eine allgemeine Menschheitserfahrung im Umgang mit Tod und Leben. Witti verlegt seine Erzählung in eine fiktive Stadt, der er den historischen Namen „Samarkand“ gibt, eine Oasenstadt im heutigen Usbekistan, in historischer Literatur ein „Sehnsuchtsort“ an der Seidenstraße. Der Name steht in Wittis Bildkosmos sinnbildhaft für die Vergänglichkeit von Stätten mit einst überragender Bedeutung , die eines Tages von der Natur, in diesem Fall dem Wüstensand, zurückerobert werden – Samarkand war einst die Hauptstadt des Mongolenherrschers Timur dem Lahmen. Im vorliegenden Bildessay sieht man keine Wüstenstadt mit orientalischem Luxus, sondern, im Sinne seiner Verwandlungsstrategie von Zeiten und Räumen, eine verlassene Geisterstadt der Moderne mit Einkaufszentren und Industrieanlagen, die ein kafkaeskes Labyrinth bilden, aus dem es kein Entkommen gibt, und an die Architekturvisionen aus dem Kupferstich-Zyklus „Carceri“ von Giovanni Battista Piranesi (1720-1778) erinnern. Das malerische Ich entkommt der Stadt auf einem Südsee-Auslegerkanu mit Krebsscherensegel, wie es in Polynesien verwendet wurde. Witti benützt das archaische Auslegerboot mit der einprägsamen Segelform wiederholt in Bildern als Symbol der Flucht und der Freiheit (vgl. WV-Nr. 173, 197, 282). Die ersten Entwürfe zu dieser graphischen Novelle entstanden im Jahr 2000 in Oberammergau parallel zu Arbeiten an den Passionsspielen. Sie wurden bisher noch nicht ausgestellt. (Werkverzeichnis S. 167-177)

 

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