Gras im Asphalt

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Foto © Tom Schmid

Gras im Asphalt
Künstlerische Reflexionen über die sanften Potentiale der Natur

Doris Trummer (Installation)
Karl Witti (Zeichnung & Malerei)
Tom Schmid (Fotografie)
Pila Sippel (Mobile)
Fotowettbewerb für Jugendliche (siehe unten)
Christian Burchard (Kurator)

Kulturwerkstatt Haus 10, Fürstenfeldbruck, 23. September – 8. Oktober 2017
Ausstellungseröffnung Freitag, 22. September, 19.30
Öfffnungszeiten der Ausstellung:
Freitag 16.00-18.00 Uhr, Samstag und Sonntag: 10.00-18.00 Uhr

Als 1962 die amerikanische Biologin Rachel Carson Ihr Buch „Silent Spring“ veröffentlichte, markierte es eine Revolution im Umgang mit der Natur. Zunächst betraf es den Einsatz von Pestiziden in der Agrarindustrie, aber ihre Botschaft diffundierte in alle Bereiche der Gesellschaft. Nicht romantische Naturfotografie, Lyrik oder Literatur schufen ein neues Verhältnis zur Natur, sondern ein wissenschaftliches Sachbuch. Auch die an dieser Ausstellung teilnehmenden Künstler rekurrieren mehr unbewusst als bewusst diesen historischen Bewusstseinsumschwung. Im gewissen Sinne ist Rachel Carson der Spiritus Rex dieser Ausstellung. Zitate aus Ihrem programmatischen Buch gliedern den Ausstellungsparcour.

Wer im Wald spazieren geht, trifft mitunter Bäume eingewickelt in ein fragile Gespinst, das die Baumkrone einhüllt. Das Gespinst dient nicht dazu, Insekten zu fangen, sondern schützt die Larven im Inneren von Vögeln gefressen zu werden. Die Bäume sterben nicht nach dem Befall, denn Sie haben über Jahrtausende der Evolution Schutzstrategien gegen die Massenvermehrungen von Schädigern entwickelt. Die aus Nördlingen stammende Künstlerin Doris Trummer sammelte diese schützenden Naturschleier und verarbeitete Sie zu gebrechlichen Kleidungsfragmenten. Auf ähnliche Weise ersinnt Trummer aus Wespennestern, Blütenblättern, Samen ephemere Installationen und Objekte, die einem luziden ästhetischen Konzept folgen und zugleich mit Erfahrungen in ihrer eigenen Biografie verwoben sind. Es ist ein besonderes Anliegen der Ausstellung, diese heiter-ernsten Objekte, die mit der Fragilität der Natur an der Grenze zur Immaterialität jonglieren, für eine Ausstellung zusammenzuführen.

In seinen zeichnerischen Werkreihen thematisiert der Karl Witti die utopische Einheit von Mensch und Natur, ein postindustrielles Arkadien mit einer politischen Dimension, in dem Kulturdenkmäler und Technik der Gegenwart nur noch erstarrte Zeugen einer vergangenen Kulturepoche sind. Das Hintergrundmotiv ist die sanfte, lautlose Rückeroberung bewohnter Stätten durch die Kräfte der Vegetation. Der Welt der Urbanität und ihrem Hunger nach immer neuen und größeren Schnellstraßen zur Steigerung der Mobilität setzt Witti das „Gesamtkunstwerk Natur“ gegenüber, ebenfalls eine technisch-funktionale Welt aber von einer vollkommen ästhetischen Ordnung, wo im Zusammenklang von Pflanzen, Tieren, Landschaft und Sternenhimmel getrennte Welten sich transzendieren und ergänzen. Diese arkadische Gegenwelt zur Gegenwart wird ergänzt durch Protagonisten eines nomadischen Lebensstils, eine Lebensform, die mit der Natur lebt, ohne von ihr Besitz ergreifen zu wollen.

Seit Beginn der Moderne im 20. Jahrhundert gab es die Tendenz in der Kunst, sich an archaischen Kulturen und elementaren Naturerfahrungen zu orientieren. Der Fotograf Tom Schmid begibt sich mit Fotoausrüstung in die mythische Landschaft der  Äußeren Hebriden, in der die Elemente das Sagen haben und jeder Schutz dagegen müßig ist. In dieser baumlosen Ödnis, dem Überleben des Menschen feindlich eingestellten Welt, sammelt Tom Schmid Sequenzen fragiler Schönheit, die in den Momenten entsteht, wenn die Drohgebärden der Natur einen Moment innehalten.

Wettbewerb für Jugendliche

Teilnehmen können alle Schüler an einer weiterführenden Schule im Landkreis Fürstenfeldbruck und Landsberg. Jeder Schüler darf nur ein Bild einsenden.

Aufgabenstellung: Gesucht werden Motive rund um das Thema „Gras im Asphalt“, also Beispiele, wo sich Pflanzen im städtischen oder dörflichen Umfeld an Orten ansiedeln, aus dem man sie einst vertrieben hat.

Anforderungen: Format jpg (ca. 2 bis 5 MB), Bildnamen versehen mit: Nachname, Vorname, Alter, Ort. Im Emailtext bitte Nachname, Vorname, Alter, Ort und zusätzlich auch Schule und emailadresse angeben. Das vereinfacht die Bearbeitung. Mit der Teilnahme erklärt sich der Schüler einverstanden, dass sein Bild unter Angabe seines Namens veröffentlicht werden darf (print und online). Für die Ausstellung werden 30 Fotos von einer Jury ausgewählt und ohne Namensnennung ausgestellt. Die Gewinner des Wettbewerbs werden als Publikumspreis durch abgegebene Stimmen von den Besuchern bestimmt.

Preise: 1. Preis 300 €, 2. Preis 200 €, 3. Preis 100 € und viele Trostpreise

Einsendeschluss: 31.Juli 2017

Letzte Stimmabgabe für die Preisverleihung: Samstag 7. Oktober 18.00 Uhr.

Preisverleihung: Sonntag 18. Oktober, 16.00 Uhr
Kontaktadresse: chr.burchard@web.de (Kurator der Ausstellung und Leiter des Kunstvereins Vis-a-vis).

 Jury: Vertreter von Kulturwerkstatt Haus 10, Verein Vis-à-vis, und der Fotograf Tom Schmid aus Diessen

Mit freundlicher Unterstützung

Bezirk Oberbayern Kopie

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